Film-Rezension | Disney+ exklusiv: "Crush"
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Film-Rezension | Disney+ exklusiv: “Crush”

“Crush” ist so 2022, dass ich mir wünschte, dass ich den vor 20 Jahren gehabt hätte. Das hätte mir die Akzeptanz meiner Sexualität sicherlich deutlich erleichtert. Er ist deswegen so 2022, weil all die Themen mit einer angemessenen Portion Respekt vermittelt werden. Und Humor, der besonderen Art, der vor allem unsere queere Community freuen wird. Die kleinen Easter Eggs und die süße Story der High School Schülerin Paige, die herausfinden muss, was der glücklichste Moment ihres Lebens ist, überzeugt von Beginn an. Kein toxisches Verhalten. Stattdessen respektvoller Umgang und der Mut der offenen Kommunikation. Die Themen werden so wie alltägliche Dinge angesprochen, was sie eben 2022 sind (oder in meinen Augen sein sollten). Absolute Empfehlung und sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich den Film gesehen habe.

Meine Meinung zu “Crush”

“Crush” ist einer dieser Filme, die ich vor wenigen Jahren gewiss nicht auf Disney+ erwartet hätte. Auch 2022 find ich es faszinierend, dass er hier exklusiv verfügbar ist. In den USA wurde es über “Hulu” vertrieben (in Deutschland als Star Original vermarktet). Das schreibe ich deswegen, weil dadurch auch klar wird, dass Disney noch aufholen muss. Oder kann mir wer erklären, warum dieser Film als FSK 16 gelistet wird? Ich habe FSK 12 Filme gesehen, die das eher verdient hätten. Das ist auch genau das, was mich stört.

Der Film ist nämlich eine Story, wie ich sie als Teenager zu Hauf aus der heteronormativen Perspektive bei Disney gesehen habe. Gern im Nachmittagsprogramm bei einem Privatsender. Aber auf dem Streamingdienst Disney+ ist dieser nun FSK 16 gelistet und damit etwas weniger zugänglich gerade für 12+ Jahren.

Paige und das Kunststudium

Paige, seit Ewigkeiten als lesbisch geoutet, möchte Kunst studieren. Doch für die College-Bewerbung fehlen ihr noch einige Dinge. Sie soll unter anderem ein Werk abgeben, was den glücklichsten Moment ihres Lebens darstellen soll. Gar nicht so einfach, denn was macht sie wirklich glücklich? Seid sie zurück denken kann, ist sie in ihre Mitschülerin Gabriella verknallt. Sie und ihre Zwillingsschwester AJ sind beide als bisexuell bzw. queer geoutet.

An der Miller High School tauchen zudem immer wieder mysteriöse Zeichnungen an den Schulwänden auf. Doch wer ist diese*r King Pun? Die meisten glauben, dass Paige dahinter steckt, was sie fast von der Schule wirft. Adé College. Doch Paige schafft es, Direktorin Collins davon zu überzeugen, dass sie King Pun ausliefern würde. Währenddessen schmachtet sie weiterhin Gabriella an und bemerkt nicht, dass längst eine andere Person ihr Herz erobert hat.

Traurige, lesbische Musik ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Identität.

Paige aus dem Film “Crush”

Sowas von 2022 dieser Film

“Das ist so (hier Jahr einfügen)” ist ein bekannter Spruch, den jede Generation irgendwann mal verwendet hat. Für “Crush” trifft 2022 absolut zu. Regisseur*in Sammi Cohen (she/they, Instagram) und die Drehbuch-Autor*innen Kirsten King (she/her, Instagram) und Casey Rackham (she/they, Instagram) haben eine Story geschaffen, die einfach in die Zeit passt. Sie ist queer as fuck. Es gibt Triggerwarnungen im Film, als Teil der Story. Respektvolle Hinweise wie “Nein heißt Nein” runden den feministischen und offenen Charakter dieses Films ab.

Auf der Schule ist allseits bekannt, wer Sapphic ist und niemand gibt irgendwelche queerfeindlichen Sprüche von sich. Dass die Welt 2022 so nicht ganz ist, ist leider traurige Wahrheit. Dennoch erfreut es mich, dass der Film hier einen Safe Space geschaffen hat, den ich mit 12 gebraucht hätte. Beispielslos wird aufgezeigt, wie die Heteronormativität unser Leben beeinflusst, ohne Finger Pointing zu betreiben (es kommt auch erst rüber, wenn bewusst auf Formulierungen von Paige gegenüber ihren besten Freundes geachtet wird).

Was auch ziemlich 2022 ist, dass eine Verbindung zwischen alten Klischees und aktueller Realität gespannt wird. So ist die Mutter total offen und will ihrer Tochter helfen, allerdings klammert sie sich dabei an etwas veralteten Klischees. Gleichzeitig ist sie super modern und feministisch. Totales Empowerment für ihre Tochter. Während Paige ihre Mutter immer wieder in angenehmer Art und Weise aufklärt, was out ist und was nicht. Das schafft eine warme Beziehung zwischen Mutter und Tochter.

Ihr seid so hetero, dass es fast gay ist.

Paige aus dem Film “Crush”

Absolute Empfehlung

Bereits nach acht Minuten schrieb ich einer Freundin, dass ich den Film liebe (und sie diesen unbedingt schauen soll). Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn Filme mich von Beginn an abholen. Und das geschah wahrlich beim Intro. Die Wortwitze bevor die Story wirklich los ging, waren mega (“I need Coughy” mit einer spuckenden Tasse). Sowieso besticht der Film mit einer Art Humor, die mich total abgeholt hat. Was wirklich schwer ist, denn die meisten Komödien sind mir schlicht zu flach.

Die beiden Drehbuchautor*innen Casey Rackham und Kirsten King haben zusätzlich eine Story geliefert, die sehr angenehm ehrlich und offen ist. Genau das verhindert auch unnötig toxische Verhalten. Vielleicht ist es auch ein Pluspunkt, dass beide selbst queer sind. Absoluter Pluspunkt. Sowieso sind die Charaktere sehr gut ausgearbeitet und haben ihre feministischen Züge. Auch Sexualität ist hier ein absolut gewohntes Gesprächsthema, ohne, dass es peinlich ist. Daher an der Stelle auch eine Warnung, denn das Thema Sex und Zärtlichkeiten sind hier ziemlich großes Thema.

Mit dem Titel “Crush” trifft der Film einfach das Ziel. Selbst beim Ansehen des Disney+ Exklusiv Titels bekomme ich regelmäßig einen Crush auf irgendwen. Und eben einen Crush auf die Story per se. Es ist ein Film, der in 2022 absolut gebraucht wird und hinein passt. Wer Disney+ hat, sollte sich den Film unbedingt anschauen. Ich liebe ihn und werde ihn gewiss noch diverse Male schauen.

Filmdaten

Titel (Original) Crush
Hauptbesetzung Rowan Blanchard, Auli’i Cravalho, Isabella Ferreira
Typ Film
Genre Komödie, Liebe, Feminismus, Sapphic, LGBTQIA+
Länge 93min
Altersempfehlung FSK 16
Erscheinungsdatum 27. Mai 2022
Regie Sammi Cohen
Drehbuch Kirsten King, Casey Rackham
Trailer
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Auf Youtube den Trailer ansehen.
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Veröffentlicht von Heffa Fuzzel

Als ich 2010 mit dem Bloggen begann, war es noch für die Familie, die mein Leben in der neuen Stadt miterleben sollte. Das Studium endete 2016 und ich bin immer noch Bloggerin. 2012 bin ich unter die Buchblogs gegangen. Mittlerweile gibt es auf meinem Blog nicht nur Bücher, sondern auf Filme, Serien und andere Dinge, die mich im Leben bewegen. Seit einigen Jahren bin ich verstärkt in der Sapphic Bubble unterwegs und konsumiere hier die verschiedenen Geschichten.

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